So, heute recherchiere ich noch ein letztes Mal zum Thema „Rundfunkgebühren in anderen Ländern“. Ich habe hier mal ein paar Beispiele herausgesucht.
Los geht’s mit Frankreich: In Frankreich heißt die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt „France Télévisions“ und gehört zu 100% dem französischen Staat. Bei unseren westlichen Nachbarn erfolgt der Gebühreneinzug mit der Wohnabgabe über den Steuereinzug. Die Gebühr beträgt umgerechnet ca. 116 EUR im Jahr. Interessant ist, dass Präsident Nicolas Sarkozy durchsetzte, dass ab Januar 2009 nach 20 Uhr keine Werbung mehr geschaltet wird und ab 2011 sogar komplett darauf verzichtet werden soll, was eine kontroverse Diskussion nach sich zog.
Wenn man mal einen Blick auf das Hörfunkkonzept in Frankreich wirft, so ist dies mit dem Deutschen nicht unbedingt vergleichbar. Im Nachbarland werden eher Reportagen und Beiträge als – wie bei uns - Musik favorisiert. Radiosender haben einen hohen Beliebtheitsgrad und eine hohe Frequentierung.
Italien hat mit „Radiotelevisione Italiana (RAI)“, die insgesamt 30 Fernsehsender und 12 Radiosender ihr Eigen nennt, den größten europäischen staatlichen Rundfunkkonzern. Die Gebühreneinzugszentrale ist hier die S.A.T (Sportello Abbonamenti TV). Die Gebühren können wie bei uns auch im 3-Monatsrhythmus, Halbjahresrhythmus oder Jahresrhythmus gezahlt werden. Die Jahresgebühr beträgt ca. 110 EUR. Die RAI finanziert sich neben den Gebühren zu fast 40% aus Werbeeinnahmen.
Führungsriege und Programmangebot werden kritisch beobachtet, was hier im Detail für Interessierte nachzulesen ist. In Italien gibt es übrigens eine hohe Rate (ca. 40%) an Schwarzsehern…
In Griechenland, Rumänien und Mazedonien handelt es sich bei der Rundfunkgebühr um einen Aufschlag auf die Stromrechnung, wobei die Höhe vom jeweiligen Stromverbrauch abhängig ist. Hier fallen die Gebühren dann eben auch für die unterschiedlichen Lokalitäten ggfs. einer Person an (Wohnung, Zweitwohnung, Büro etc).
Als makaberer Seitenhieb wird in Griechenland oft gespottet, dass selbst die Toten Gebühren zahlen müssen, da Friedhöfe eben auch Strom (und somit Rundfunkgebühren) zahlen…..
In Polen werden jährlich rund 52 EUR Rundfunkgebühren fällig. Die Gebühren können ebenfalls wie bei uns in 3-Monats-, 6-Monats- oder Jahresabständen gezahlt werden. Unterschied zu Deutschland ist jedoch, dass die Gebühren monatlich gezahlt werden können, und es bei jährlicher Vorauszahlung sogar einen Rabatt gibt. Denjenigen, die das 75. Lebensjahr erreicht haben, werden ab diesem Zeitpunkt die Rundfunkgebühren ganz erlassen.
Wenn man ein wenig in die Fernseh-Historie blickt, so stellt man fest, dass in Polen viele international bekannte Kinderfilme produziert wurden– wer kennt sie nicht, die hübschen Märchen- und Kinderfilme! Aktuell beinhaltet das polnische Fernsehprogramm gar katholische Sender. Der Jugendschutz wird im polnischen Fernsehen sehr achtsam bewacht und gekennzeichnet. Werbung ist während eines Films (ähnlich wie bei uns in ARD und ZDF ab 20 Uhr) verboten.
Auch hier gibt’s eine hohe Rate an nicht angemeldeten Geräten, im nicht privaten Bereich sind es sogar fast 98 % der Firmen, die keine Rundfunkgebühren zahlen! Das liegt daran, dass in Polen die Außendienstmitarbeiter eine Genehmigung benötigen, um Grundstücke betreten zu dürfen…..
2008 betrug die Rundfunkgebühr in der Tschechischen Republik 58,00 EUR. Hier bekommt man für sein Geld zwei 24-stündige Vollprogramme, einen Nachrichten- und einen Sportsender. Auch wenn mehrere TV Geräte in einem Haushalt vorhanden sind, fällt nur eine Gebühr an.
In Irland beträgt die Rundfunkgebührenhöhe ca. 160,00 EUR pro Jahr. Die ö.-r. Rundfunkanstalt heißt hier „Raidió Telifís Éireann“ und strahlt seit 1961 Fernsehen aus. Zuständig für den Gebühreneinzug ist die irische Post, so wie es bei uns in den Anfängen auch mal der Fall war :O)
Auch auf der grünen Insel gibt es eine Altersbegrenzung für den Gebühreneinzug: Ab dem Erreichen von 70 Jahren ist auch hier der Empfang gebührenfrei.
In Andorra, Estland, Liechtenstein, Luxemburg, Ungarn und Monaco werden übrigens keine Rundfunkgebühren erhoben, wohingegen
in Spanien, Portugal, Belgien und den Niederlanden der Gebühreneinzug in staatlicher Hand liegt.
Ein kurzer Blick noch über den großen Teich: In Nordamerika existieren insgesamt sehr wenige öffentlich-rechtliche Sender. Diese werden durch Abonnements oder Spenden finanziert.
Wer gerne selber und ausführlicher nachlesen möchte, kann dies hier tun:
oder auch hier.
Viele Grüße und eine schöne, sonnige Ferienzeit wünsche ich!
Vera Z.