Wie alles anfing…
Beim Lesen im Forum, aber auch in meinem Job, in dem ich mit Teilnehmern in Kontakt bin, merke ich oft, dass viele aus der jüngeren Generation, zu der ich ja leider nicht mehr so richtig gehöre;-), gar nicht wissen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland historisch entstanden und gewachsen ist.
Zu meiner Schulzeit nahm das Thema „Nationalsozialismus“ noch einen großen Platz in den Geschichtsstunden ein. Wie das heutzutage in den Lehrplänen unserer Schulen in Deutschland aussieht, kann ich nicht beurteilen. Aber ich finde es wichtig, dass man sich den historischen Hintergrund für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk doch mal wieder vor Augen führt. Dazu habe ich ein wenig zum Thema „Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland“ recherchiert.
Nach der Frage „Warum ein gebührenfinanziertes Rundfunk-System?“, die ja im Forum mittlerweile vor allem aus dem „Grundversorgungsauftrag“-Blickwinkel beleuchtet wird, versuche ich mich an einem kleinen historischen Abriss.
Die Basis für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab 1945 schafften die Alliierten nach dem Kriegsende und zogen damit die Lehre aus der Nazi-Zeit: Kein Propaganda-Staatsfunk mehr, sondern selbstständige Anstalten des öffentlichen Rechts.
Erwachsen ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ganz ursprünglich aus der „NORAG“, abgekürzt für die „Nordische Rundfunk-AG“, die im Mai 1924 in Hamburg gegründet wurde.
Sage und schreibe 896 angemeldete Hörer lauschten damals der ersten Sendung aus einem improvisierten Ton-Studio im Hamburger Fernsprechamt. Wer Interesse daran hat, reinzuhören, hier der Link:
http://www.rundfunk-nostalgie.de/
Selbst damals gab es schon Rundfunkgebühren, die von der Reichspost eingezogen wurden. Von diesen Rundfunkgebühren erhielt die Sendeanstalt 50 bis 60 %. Mit dem Rest deckte die Reichspost die Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Sendeanlagen und die Gebühreneinziehung ab.
Vor der Währungsreform kam dabei die gigantische Summe von 35 Bio. Mark. Jahresgebühr (Stichtag 08.11.1923) zusammen.
Ab dem 01.04.1924 und somit nach der Währungsreform wurden die Gebühren dann auf 24 Reichsmark jährlich (2 pro Monat) festgesetzt. Kann man natürlich nicht mit heute vergleichen, logisch, das durchschnittliche Haushaltseinkommen damals (1924) belief sich auf ca. 180 Reichsmark monatlich.
Schwarzhörer gab’s übrigens zu der damaligen Zeit auch schon, man bastelte sich seinen „Empfänger“ oftmals selber zusammen und meldete ihn nicht an.
Im Jahre 1928 zog die „NORAG“ in die Hamburger Rothenbaum-Chaussee um, wo dann die Sendungen produziert wurden. Der NDR hat übrigens dort heute noch Studios und auch die „Abteilung Rundfunkgebühren“ befindet sich dort. Hier werden auch Beschwerden über das Verhalten von Gebührenbeauftragten entgegengenommen.
Doch zurück zur Historie… Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die „NORAG“ im Jahre 1934 verstaatlicht. Die Gleichschaltung der öffentlichen Medien - und damit die Umwandlung in reine Nazi-Propaganda-Organe - hatte begonnen. In den deutschen Wohnstuben wurde der „Volksempfänger“ zum Sprachrohr der Nationalsozialisten.
Der war so eine Art „Massenprodukt“ der Nationalsozialisten, kostete nicht viel und durch dessen Verbreitung stieg die Zahl der gebührenzahlenden Rundfunkhörer im Reich sukzessive an. Ihre Zahl belief sich zum Höchststand 1943 auf rund 16 Millionen Personen, die pro Monat zwei Reichsmark Gebühren bezahlten. Von diesen Gebühreneinnahmen ging ein kleinerer Teil an die Deutsche Reichspost.
Der Rest floss an die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) und vor allem das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, das mittels der Gebühreneinnahmen den größten Teil seines Haushaltes bestritt.
Nach dem Kriegsende 1945 war es für die Besatzungsmächte (so auch die britischen) immens wichtig, diese Propaganda-Maschine und die Partei-Abhängigkeit der Medien zu unterbinden.
Die britischen Allierten gründeten den neuen Sender "Radio Hamburg", der am 22.09.1945 als "Nordwestdeutscher Rundfunk" (kurz: NWDR) der Sender der britischen Besatzungszone wurde. Das Modell der BBC stand Pate für die Organisation des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Neben einem Grundversorgungsauftrag (die Versorgung aller Bürger, auch in zum Beispiel topographisch schlecht erreichbaren Gebieten, mit Informationen), und einem gesetzlich definiertem Programmauftrag ist eine der weiteren wesentlichen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit.
Der Sender wurde erst ab 1948 in deutsche Hände gegeben und Adolf Grimme wurde der erste Generaldirektor.
In unserer Demokratie kann man ja heute mit Recht über Staatsferne diskutieren, aber was für finstere Zeiten waren das, als nur die Partei-Meinung der Nazis über das Radio und die Zeitungen verbreitet werden durfte…??
Vor diesem Hintergrund ergibt sich meiner Meinung nach als einzige Möglichkeit, einen von einer Partei oder von einem Firmenkonsortium (Beispiele Leo Kirch, Rupert Murdoch) unabhängigen Rundfunk zu ermöglichen, die Finanzierung durch alle Bürger.
Wer das Thema vertiefen möchte… Hier sind ein paar interessante Links:
http://www.dra.de/rundfunkgeschichte/bildergalerie/geschichte.html
http://www.hans-bredow-institut.de/de/fgrn/forschungsstelle-geschichte-des-rundfunks-norddeutschland
http://www.mediaculture-online.de/Rundfunkgeschichte.42.0.html
Ihre Anja